Kamera: Canon T70
Film: Agfaphoto APX 100
Location: Stohl
September 2022
Schlagwort: analog
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Jessica, was sind Stille und Stillstand für Dich? (Session V, zwei Bilder)
Seit 2015 entsteht zu jeder Portraitsession auch Inhaltliches, in Form von Themen, Fragen und Antworten. Unter anderem fragte ich meinen jeweiligen Gegenüber von 2015 bis 2017, was die Begriffe “Stille” und “Stillstand” für sie bedeuteten. 2018 bis 2022 folgte der zweite Durchlauf. Jessica war wie elf weitere Menschen beide Male dabei und durfte den zweiten Part im September 2022 abschließen.
“Stille und Stillstand sind in erster Linie für mich zwei Begriffe, die zwei verschiedene Seiten einer Medaille haben. Sie können sowohl positiv gewertet werden als auch negativ. Bei Stille fällt es mir leichter sofort, eine positive Stille zu finden. Die Ruhe, die man innerlich irgendwie ausstrahlt – manchmal ist es auch die Ruhe vor dem Sturm, was dann eher negativ ist – aber Stille kann was Schönes sein, bei einer Freundschaft, wenn man sich anschweigen kann, ohne dass es unangenehm wird, aber Still kann auch total bedrückend sein, wenn gar nichts mehr da ist.
Und Stillsein erfordert auch sehr viel Disziplin. Ich habe nämlich 2014 mal auf Bali das Neujahr schweigend begonnen, weil man das da so tut, um die Geister nicht zu erschrecken und das einen ganzen Tag lang durchzuhalten, ist tatsächlich gar nicht mal ohne, weil man sich ja doch irgendwie – wenn man nicht gerade für sich alleine ist – verständigen, kommunizieren möchte. Der Mensch ist ja durchaus ein soziales Wesen und dadurch ist es manchmal auch schwierig, den Mund zu halten.
Bei Stillstand denke ich tatsächlich erstmal an Negatives. Stillstand ist für mich leblos. Maschinen können stillstehen. Aber Stillstand kann auch etwas durchaus Positives sein, habe ich dann bei näherer Betrachtung gemerkt, denn Waffenstillstand ist was Gutes, gerade jetzt aktueller denn je. Wenn ein Krieg aufhört, hat es ja erstmal was Gutes an sich. Ein Herzstillstand wiederum ist das Auslöschen des Lebens und Stillstand hat immer was Lebloses an sich. In der Corona-Zeit, im Lockdown zum Beispiel ist das gesamte kulturelle Leben zum Stillstand gekommen und das war doch für viele schon bedrückend und man selber musste sein ganzes Leben umkrempeln.”
Diese Antwort ist der einzige Auszug aus allen Projekten, den ich auch – bedingt durch die Verknüpfung mit dieser Webiste – in den Sozialen Medien zeige.
Kamera: Hasselblad 500C
Film: Fujicolor Pro 160C (expired film, pulled ISO 80)
Location: Westensee
September 2022 -
Ghetto Nuovo (vier Bilder)
Im Stadtteil Cannaregio befand sich einst das Viertel “Ghetto Nuovo”, das für eine örtliche Gießerei (Ghetto = italienisch für Gießerei) stand. Im 16. Jahrhundert wurden auf päpstliche Anordnung alle im Kirchenstaat lebenden jüdischen Menschen angewiesen, in die nur für sie vorgesehenen und oftmals abgeschottenen Viertel zu ziehen. Der Begriff “Ghetto” etablierte sich im Laufe der Zeit für diese Bezirke. Bereits zuvor gab es in diversen Städten sogenannte “Judengassen” und später im nationalsozialistischen Deutschland vor allem in den in Osteuropa besetzten und unterdrückten Ländern Quasi-Konzentrationslager, die ein entscheidener Baustein für die Vernichtung des europäischen Judentums waren. Eindrucksvolle Schilderungen über das (Über-)Leben und Verrecken im Warschauer Getto lieferte der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranitzky in seiner Autobiographie.
Architektonisch auffallend in “Ghetto Nuovo” sind vor allem die Häuser, die höher gebaut sind als die in den anderen Vierteln. Hier war der Raum nunmal sehr beengt, sodass die dort lebenden Menschen die Häuser vor allem in die Höhe bauen mussten, um Platz zu schaffen.
Kamera: Hasselblad 500C
Film: Kodak T-Max 400 (expired 07/2017)
Location: Cannaregio, Venedig
August 2022 -
Frühling vs Winter 1-1 (sieben Bilder)
Der Begriff “Klimawandel” ist dann doch nur ein neoliberaler. Klingt ja auch viel besänftigender als “Klimakatastrophe” oder “Klimakrise”. Und Krisen sind ja auch meistens schnell ausgestanden; als langjähriger HSV-Gänger weiß ich es nur zu gut. Winter mit viel Schnee in Mittelholstein und damit meine ich mehr als fünfzehn Zentimeter für zwei oder drei Tage? Die gab es zuletzt, mutmaße ich zielgenau, 1988 und 2010. Dabei gibt es doch nur diesen einen Planeten mit Bier.
Kamera: Canon T70
Film: Kodak Farbwelt 400 (expired 08/2007, pulled ISO 160)
Location: Kellinghusen
März 2022 -
The Kingdom of Kerry (acht Bilder)
Bis nach Fernost zog es mich, westwärts kam ich hingegen nie weiter als bis nach Galizien, damals übrigens mit dem Hamburger Sport-Verein. Etwas weiter westlich als La Coruna befindet sich das County Kerry. Kerry ist im Sommer ein wahrer Touristenmagnet, bei regnerischem und stürmischem Wetter im Frühjahr geht es jedoch weitaus entspannter zu und diverse Spots sind allenfalls schwach besucht. Dennoch lauern findige Oldies an Parkplätzen, die einen gerne solange vollkoffern, bis man dann doch einwilligt, sich mit einem fluffigen Lamm fotografieren zu lassen. Unsummen verlangen die Spitzbuben nicht, für zwei Euro ist man dabei und knuffig sind die Jungstiere allemal.
Auch in Kerry finden sich diverse alte Gemäuer, von der Eisenzeit bis in die Zeit kurz nach dem Mittelalter errichtet, manche davon wurden wieder aufgebaut, manche zumindest zugänglich gemacht und manche gammeln vor sich hin. Die Burgen sind beide begeh- und teilweise bekletterbar. Das hier gezeigte Schloss wurde im 16. Jahrhundert errichtet, im Jahrhundert darauf in einem Krieg zerbombt und später nützlicher Teil eines Bauernhofs, der Anfang des 20. Jahrhunderts dann abgerissen wurde. Seither verfällt die mittlerweile abgesperrte Ruine und droht auseinanderzubrechen.
Kamera: Canon T70
Film: Kodak Color Plus 200
Location: Leacanabuaile Stone Fort, Cahergal Stone Fort, Ballycarbery Castle; County Kerry
April 2022






















































































