Portrayals

Fragen und Antworten
Ein wenig fühlte es sich an wie im Frühjahr 2015. Einfach nur Fotos zu machen, schockt nicht mehr. Zwar läuft die zweite Phase des Projekts “Stille und Stillstand” seit Juli 2018 wieder, aber ich wollte Photosessions auf eine andere Weise miteinander verknüpfen. Im Gruppenprojekt “Wer bist du wirklich?” gibt es neben einem festen Fragenkatalog auch eine “dynamische” Fragestellung, die die eine Portraitierte an ihre Nachfolgerin richtet. Seit Mai 2019 kursieren nun unterschiedliche Fragestellungen zwischen den Portraitierten. Nicht nur die Antworten sind spannend, sondern vor allem die spontan ausgedachten Fragen – so bleibt auch hier mehr als nur die Fassade.

Ausstellungs- und Buchthema

Sophie
Gab mit ihrer Frage “Was denkst du gerade?” nicht nur den Startschuss für “Wer bist du wirklich?”, sondern auch für dieses fortlaufende Projekt: Sophie im Juli 2018.

 

1978 vs
Zugegebenermaßen ist die Grundidee geklaut. Man nehme einen Menschen und einen Film, dessen Haltbarkeit in dem Jahr ablief, in dem dieser Mensch geboren wurde. Auch zu diesem Projekt war die Vorlaufzeit lang, schließlich ist eine reine Kopie dieser Grundidee ziemlich plump. Wie setze ich es um, kommt Inhaltliches hinzu? Bildlich lieferte mir mein allererstes “privates” Portraitmodell Anne im Frühling 2017 den ersten Anstoß: Ich photographierte sie mit einer recht markanten und alleinstehenden Kiefer auf einer Wiese irgendwo im Nirgendwo.

Bis ich auf die obligatorische Frage kam, vergingen nochmals knapp zwei Jahre. Ich photographiere schon lange und oft mit abgelaufenem Filmmaterial. Zum Einen spart es ein paar Euro, zum Anderen mag ich die Patina sowie die Farb- und Kontrastgebungen dieser Filme. Im Gefrierfach hatte ich abgelaufenen Film der Jahre 1989, 1993 und 1994 und idealerweise sind meine Portraitprojekte durchsetzt mit diesen Jahrgängen. Der Kopf ratterte wieder einige Zeit und im Juni 2019 begann ich mit einer 1993 Geborenen.

Ausstellungsthema, ausschließlich mit ausgesuchten und langjährigen Teilnehmer_innen.

Anne
Impulsgeberin Anne im April 2017

 

Wer bist Du wirklich?
Seit dem Frühjahr 2018 befrage ich Frauen zwischen Mitte und Ende 20 Jahren auf der Basis von mit Fragestellungen bedruckten Flyern, die ich in Berlin und Hamburg gefunden und mitgenommen habe. Hinzu kommen weitere Fragestellungen, gegebenenfalls zu anderen aktuellen Projekten, aber auch, dass die eine Befragte ihrer Nachfolgerin eine Frage mit auf den Weg gibt. Der Kreis der teilnehmenden Menschen dieses langfristig und ohne Enddatum angesetzten Projekts soll mit acht, maximal neun Menschen klein gehalten werden. Im Juni 2019 sind alle Frauen mit allen Fragen behelligt worden, eine weitere kommt aus Zeitgründen vielleicht erst im nächsten Zyklus hinzu. Die Systematik, dann doch alle Fragen in einem Rutsch zu stellen, zeigte sich eigentlich erst im Juli 2018. Photographisches, Filmisches, Zeichnerisches auf der Basis des Aufgezeichneten hilft bei der Vorstellung der einzelnen Charaktere.

Die Vorlaufzeit war lang. Bereits 2014 war die Idee da, von Teilnehmerin Anna gibt es tatsächlich Dokumentiertes aus dieser Zeit und Jana erinnerte mich jüngst, dass ich sie zu jener Zeit auch auf dem Zettel hatte – beide gingen damals für ein Jahr ins Ausland. Erst vier Jahre und ein ebenso fragendes Großprojekt später ging es dann wirklich los.

Warum schon wieder Frauen und warum dieses Altersspektrum? Zum einen kenne ich die meisten Projektteilnehmerinnen bereits durch vorherige Arbeiten, weiß sie vom Wesen her einzuschätzen und ob ein letztlich sehr persönliches Projekt passen könnte. Frauen, das stelle immer wieder fest, wirken freier und offener, was solche Themen angeht, bauen anders als die meisten Männer keine undurchdringlichen Fassaden auf beziehungsweise spielen etwas vor. Außerdem finde ich es wichtig, einen foto-/telegenen Menschen nicht nur bildlich, sondern auch inhaltlich wie ideell sichtbar zu machen, ihn so darzustellen, wie er wirklich ist, hinter der Fassade. Mitte/Ende 20 beziehungsweise Anfang 30 ist zudem ein spannendes Alter, denn zumeist endet dann die Ausbildung, man verlässt dieses Kokon und lernt, wie die Welt wirklich funktioniert, bisweilen schwierige und unangenehme Aufgaben und Hürden stellt und neue Einflüsse noch einmal alles über den Haufen werfen.

Ziel ist eine Langzeitdokumentation, in Print-, Film-, Ausstellungs-, abstrakter Form. Auch Kollaborationen mit anderen Künstler_innen schließe ich hinsichtlich des Bildnerischen nicht aus.


Die acht Teilnehmerinnen; die Bilder stammen allesamt aus den jeweils ersten Sitzungen; chronologische Sortierung.